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Hochbegabung an der Konrad-Adenauer-Schule

Hochbegabung ist auch an einer beruflichen Schule ein wichtiges Thema.
Überdurchschnittlich begabte Schülerinnen und Schüler finden sich bei uns in allen Schulformen. Nicht immer fallen diese Schülerinnen und Schüler jedoch durch besonders gute Leistungen auf. Häufig ist sogar das Gegenteil der Fall. Als Schule mit dem „Siegel Hochbegabung“ haben wir ein Konzept entwickelt, wie wir begabte Schülerinnen und Schüler erkennen und fördern können.

Wir vereinen unter unserem Dach etwa 20 verschiedene berufliche Teil- und Vollzeitschulformen, überwiegend in den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung, Ernährung und Gesundheit. Wir begleiten Schülerinnen und Schüler sowohl bei ihrem Einstieg ins Berufsleben im Rahmen ihrer Berufsausbildung als auch beim Erreichen von Schulabschlüssen in unseren Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung, in der Berufsfachschule und in der Fachoberschule. Darüber hinaus leisten wir mit InteA einen wichtigen Beitrag zur Integration von jungen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nach Deutschland zugewandert sind.

Allein diese Vielzahl an Schulformen bedingt, dass bei uns junge Menschen mit höchst unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen und -erfahrungen gemeinsam lernen. Der Umgang mit dieser Heterogenität ist bei uns Alltag. Seit einigen Jahren haben wir das Thema Hochbegabung verstärkt in unseren Fokus gerückt, weil wir erkannt haben, dass gerade wir als berufliche Schule immer wieder Schülerinnen und Schüler als sehr begabt erleben, die aufgrund schwieriger Lebenssituationen bisher nur geringe schulische Erfolge vorweisen können. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, diese Schülerinnen und Schülern zu motivieren und ihnen zu helfen, ihr Potential auszuschöpfen.

Im Jahr 2014 haben wir für diese Arbeit vom Hessischen Kultusministerium das Gütesiegel Hochbegabung verliehen bekommen.

Dabei haben sich in den letzten Jahren, in denen wir uns verstärkt mit der Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler befasst haben, die folgenden Erkenntnisse ergeben:

Diagnose und Identifikation als zentraler Aspekt der Unterstützung

Es kommen zu uns nur sehr selten Schülerinnen und Schüler, bei denen die Hochbegabung durch Eltern und/oder abgebende Schulen bereits erkannt und durch fachkundige psychologische Untersuchung bestätigt wurde. Wir haben an unserer Schule fast ausnahmslos mit dem im Gesamtspektrum der Hochbegabung eher seltenen Phänomen der sogenannten Minderleisterinnen und Minderleister (Underachiever) zu tun, die trotz hoher Begabung bisher nur mittelmäßige oder schlechte schulische Leistungen gezeigt haben. Da diese Schülerinnen und Schüler oft problematische Schulverläufe aufweisen, bedarf es einiger Aufmerksamkeit und Erfahrung, um Hinweise auf eine mögliche Hochbegabung zu entdecken.

Daher haben wir eine Handreichung für das Kollegium entwickelt, um möglicherweise betroffene Schülerinnen und Schüler zu identifizieren und weitergehend zu beraten und zu unterstützen. Neben individueller Beratung und Unterstützung stellen wir bei Bedarf auch Kontakte zu externen Beratungsstellen, wie z. B. der Begabungsdiagnostischen Beratungsstelle BRAIN der Universität Marburg oder der Beratungsstelle MAINKIND der Goethe-Universität Frankfurt am Main her.

Erfolgreiche Förderung nur mit Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler

Darüber hinaus haben wir die Erfahrung gemacht, dass eine erfolgreiche Förderung hochbegabter Minderleisterinnen und Minderleister nur gelingt, wenn der betroffenen Schüler/die betroffene Schülerin bereit ist, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen und Unterstützungsangebote anzunehmen. Auch die Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten ist für uns sehr wichtig. In den meisten Fällen spielt vor allem der Umgang mit unregelmäßigem Schulbesuch und Fehlzeiten eine zentrale Rolle*.

Schulweites Mahn- und Gesprächkonzept sowie Differenzierungsangebote als wichtige Maßnahmen

Deshalb haben wir ein dreistufiges Mahn- und Gesprächskonzept zur Prävention entwickelt, das schon nach wenigen unentschuldigten Fehlzeiten beginnt. Wir haben dieses Konzept vor zwei Jahren in der Berufsfachschule eingeführt und getestet und sind nun dabei, dieses System auf die gesamte Schule auszuweiten. Es beinhaltet insbesondere auf jeder Mahnstufe ein Gesprächsangebot für Schüler/innen und Eltern, zunächst mit der Klassenleitung, dann mit der Schulsozialpädagogin und in der dritten Mahnstufe auch mit der Schulleitung.

Im Bereich der Hochbegabtenförderung bieten wir neben der Identifizierung und Förderung von Minderleistern weitere Unterstützungsmöglichkeiten für begabte Schülerinnen und Schüler an. So unterstützen wir leistungsstarke Teilzeit-Berufsschüler im Dualen System der Berufsausbildung bei der Erreichung höherwertiger Schulabschlüsse und der Verkürzung der Ausbildungszeit. Mit unserer Sprachenleiste in der Teilzeitberufsschule bieten wir Englischunterricht auf verschiedenen Niveaustufen klassenübergreifend an. Dies ist insofern bedeutsam, da der Englischunterricht in der Teilzeit-Berufsschule eine wichtige Voraussetzung zum Erreichen des Mittleren Bildungsabschlusses über die Berufsausbildung darstellt.

Wir bieten darüber hinaus einige zusätzliche Forderangebote für besonders interessierte und (hoch)begabte Schülerinnen und Schüler an, wie zum Beispiel

Insgesamt unterscheidet sich die Förderung von Hochbegabung an einer beruflichen Schule in vielen Punkten stark von der Situation an allgemeinbildenden Schulen. Das besondere Leistungspotential einiger Schülerinnen und Schüler muss häufig erst entdeckt werden und ist oft den Betroffenen selbst und auch ihren Eltern nicht bewusst. Hier sehen wir uns als berufliche Schule in einer besonderen Verantwortung, Hilfe und Unterstützung anzubieten, um dann gemeinsam mit dem Schüler/der Schülerin und den Erziehungsberechtigten nach individuellen Lösungen zu suchen.

* Mit der Untersuchung von Steffi Badel Hochbegabte Underachiever in der Beruflichen Bildung – Prozesse des Scheiterns und der Marginalisierung gibt es erstmals eine umfassende Untersuchung zu Minderleistern im beruflichen Bildungssystem. Eines ihrer wichtigsten Erkenntnisse ist, dass Fehlzeiten, auf die die Schule nicht frühzeitig und angemessen reagiert, ein wesentlicher Faktor zur Entstehung von Minderleistung sind ( Badel, Steffi: Hochbegabte Underachiever in der Beruflichen Bildung – Prozesse des Scheiterns und der Marginalisierung, Hamburg: Verlag Dr. Kovač, 2014, S. 379-388).