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Ermutigung zur Zivilcourage

Besuch der Zeitzeugin Trude Simonsohn an der Konrad-Adenauer-Schule

Trude Simonsohn, deren Buch „Noch ein Glück“ vor kurzem veröffentlicht wurde, sprach am 15. April mit Fachoberschülern der Konrad-Adenauer-Schule über ihre Erfahrungen zur Zeit des Nationalsozialismus.

Eindrucksvoll erzählte sie den Schülerinnen und Schülern der 12. Klasse, wie ihre glückliche Kindheit und Jugendzeit in ihrem Heimatort Olmütz in der Tschechoslowakei plötzlich zu Ende war, als 1938 die deutsche Besatzungsmacht die jüdischen Schüler am weiteren Schulbesuch hinderte. Als Abitur und Studium ihr verwehrt waren, bereitete sie sich in der zionistischen Jugendbewegung auf die Auswanderung nach Palästina und ein Lebe im Kibbuz vor. Dazu kam es jedoch nicht. Sie wurde verhaftet nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich, den von Hitler eingesetzten sogenannten „Reichsprotektor“ Böhmens und Mährens und Initiator der Wannseekonferenz, bei der die Ermordung der europäischen Juden beschlossen worden war.

Dass Trude Simonsohn mit dem Attentat nichts zu tun hatte, spielte für die national-sozialistischen Verfolger keine Rolle. In der Diktatur bedurfte es keiner Beweise, um Menschen auf Grund eines Verdachtes zu erschießen. Als sie davor in letzter Minute bewahrt wurde, hatte sie noch „Glück“ im Unglück. Sie kam jedoch nicht frei, sondern wurde in das Ghetto Theresienstadt deportiert.

Dort lernte sie ihren späteren Mann kennen, sie traf ihr bekannte Menschen und auch ihre Mutter noch einmal wieder, die ebenso wie ihr Vater später im Konzentrationslager ermordet wurde. Trude Simonsohn half bei der Betreuung der in Theresienstadt lebenden Kinder. Unterricht war für die jüdischen Kinder verboten und wurde heimlich abgehalten, während ein Kind am Eingang Schmiere stand. Trude Simonsohn erklärte: „Kein Kind hätte jemals eine Minute Unterricht versäumt. Lernen war für sie kostbar und ein Abenteuer.“ Die erwachsenen Gefangenen hofften, wenigstens die Kinder würden das Konzentrationslager überleben. In Theresienstadt führten sie ein „Leben als ob“ – als ob es eine Zukunft gäbe. Dass die Kinder tatsächlich nach dem Transport von Theresienstadt in die Vernichtungslager als erste ermordet wurden, konnte sich selbst damals niemand vorstellen.

Trude Simonsohn wurde im letzten Kriegsjahr nach Auschwitz deportiert und entkam zum zweiten Mal ganz knapp dem Tod, als sie zusammen mit neun anderen jungen Frauen aus einem Arbeitslager fliehen und in den aus Osteuropa kommenden deutschen Flüchtlingsströmen untertauchen konnte. Dies gelang nur unter schwierigsten Umständen und auch weil es einzelne Menschen gab, die bereit waren zu helfen. Trude Simonsohn plädierte dafür, die Verdienste von Deutschen, die Widerstand leisteten, noch stärker zu würdigen, als dies bisher getan wurde. „Was glaubt ihr, wärt ihr in einer Diktatur bereit, verfolgten Menschen zu helfen?“, fragte Frau Simonsohn die Schüler. Nach einer Denkpause antwortete ein Schüler ehrlich: „Ich glaube jetzt, dass ich das tun würde. Aber ich weiß nicht, ob ich es dann wirklich könnte.“ Frau Simonsohn stellte eine zweite Frage: „Wenn ihr in einer Gruppe als einziger eine andere Meinung habt, seid ihr dann trotzdem bereit, diese Meinung zu sagen?“ Das konnten die Schüler bejahen. „Dies ist doch ein guter Anfang!“, ermutigte Frau Simonsohn.

Im Namen der Konrad-Adenauer-Schule bedankte sich Schulleiterin Stefanie Philipp ganz herzlich bei Trude Simonsohn für ihren Besuch.

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